{"id":256,"date":"2014-12-09T08:14:02","date_gmt":"2014-12-09T07:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/wandbilder-schoch.de\/schoch\/wordpress\/?p=256"},"modified":"2019-12-09T08:21:13","modified_gmt":"2019-12-09T07:21:13","slug":"mit-knochenleim-und-ochsengalle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wandbilder-schoch.de\/schoch\/wordpress\/2014\/12\/09\/mit-knochenleim-und-ochsengalle\/","title":{"rendered":"Mit Knochenleim und Ochsengalle"},"content":{"rendered":"<p>Artikel in Stuttgarter Zeitung\/Nachrichten \u2192<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wandbilder-auf-dem-schoch-gelaende-mit-knochenleim-und-ochsengalle.7f9dede3-d005-4e28-acde-f5a6fb787a21.html\">Nordrundschau vom 09.12.2014<\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\"><em>Wandbilder auf dem Schoch-Gel\u00e4nde<\/em><\/h2>\n<h1 class=\"western\"><strong>Mit Knochenleim und Ochsengalle<\/strong><\/h1>\n<p>Von Georg Friedel\u00a009. Dezember 2014 \u2013 08:00 Uhr<\/p>\n<p><strong>Der Verein zur Rettung der Wandbilder auf dem Schoch-Areal hat mehrere T\u00fcbinger Restauratoren damit beauftragt, die Gem\u00e4lde in dem abrissbereiten Firmengeb\u00e4ude abzul\u00f6sen und andernorts wieder anzubringen.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-221 size-medium\" src=\"http:\/\/wandbilder-schoch.de\/schoch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/NRS-9.12.14-Knochenleim-300x197.jpg\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" srcset=\"http:\/\/wandbilder-schoch.de\/schoch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/NRS-9.12.14-Knochenleim.jpg 1024w, http:\/\/wandbilder-schoch.de\/schoch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/NRS-9.12.14-Knochenleim-300x197.jpg 300w, http:\/\/wandbilder-schoch.de\/schoch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/NRS-9.12.14-Knochenleim-768x505.jpg 768w\" alt=\"WB Abnahme 26.11.2014\" width=\"300\" height=\"197\" \/><\/p>\n<figure id=\"attachment_221\" class=\"wp-caption alignnone\" aria-describedby=\"caption-attachment-221\"><figcaption id=\"caption-attachment-221\" class=\"wp-caption-text\">WB Abnahme 26.11.2014 \u2013 Foto: Georg Friedel<\/figcaption><\/figure>\n<p>Feuerbach \u2013 Wolfgang G\u00e4rtners Kopfbedeckung erinnert ein wenig an den Hut von Joseph Beuys. Ansonsten tr\u00e4gt der Restaurator die typische Arbeitskluft, die auch Stuckateure anhaben: Auf seinem nicht mehr ganz bl\u00fctenwei\u00dfen Overall sind an verschiedenen Stellen die Spuren seiner heutigen T\u00e4tigkeit erkennbar. Beide H\u00e4nde stecken in schwarzen Strickhandschuhen, allerdings liegen die Finger frei. Sein Metier ist die Kunst des Konservierens und Bewahrens.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>G\u00e4rtner hat mit der Leiterin der Aktion, der promovierten Kunsthistorikerin und Restauratorin Julia Feldtkeller und mit Karl Petzold eine aufwendige Aufgabe in der ehemaligen Kantine der Firma Schoch zu erledigen. Die drei Experten aus T\u00fcbingen haben den Auftrag bekommen, die auf die Wand gemalten \u00d6lbilder so zu fixieren und zu sichern, dass sie abgenommen und sp\u00e4ter andernorts wieder angebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Gemisch aus Melasse, Knochenleim, Essig und Ochsengalle<\/h2>\n<p>Das in Italien entwickelte Verfahren ist sehr aufwendig. Als Kleber wird \u201eColletta\u201c verwendet. Ein Rezeptur-Gemisch aus Melasse, Knochenleim, Essig und Ochsengalle. Es wird erhitzt und auf einen mullartigen Stoff aus Gaze und Stoffwindeln aufgetragen. Mit der Sicherungsschicht l\u00e4sst sich auch ein f\u00fcnfeinhalb Meter breites und anderthalb Meter hohes \u00d6l-Wandgem\u00e4lde in der Schoch-Kantine abl\u00f6sen, lagern und wieder zusammenf\u00fcgen.<\/p>\n<p>\u201eNormalerweise versucht man Wandmalereien in ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext zu erhalten\u201c, sagt Professor Roland Lenz. Er ist Leiter des Studiengangs Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei an der Stuttgarter Kunstakademie. Mit Studenten pr\u00fcfte er im Vorfeld, ob in diesem Fall eine Abnahme der Bilder \u00fcberhaupt in Frage kommt. Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen. Die Arbeitsgruppe kam in Feuerbach zu dem Ergebnis: Es ist machbar. Doch der Initiative zur Rettung der Wandbilder drohte die Zeit wegzulaufen. Anfang 2015 werden laut st\u00e4dtischer Planung auf dem ehemaligen Schoch-Gel\u00e4nde die gro\u00dfen Abrissbagger anrollen und diese sind beauftragt, Tabula rasa auf dem gesamten Gel\u00e4nde zu machen. Kein Haus bleibt stehen, alles wird abgerissen und neu bebaut.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Mit dem Abriss endet ein St\u00fcck Industriegeschichte<\/h2>\n<p>Damit endet wieder ein Kapitel der Feuerbacher Industriegeschichte. Mehr als 1000 Besch\u00e4ftigte arbeiteten zeitweise im Drei-Schicht-Betrieb in den gro\u00dfen Fabrikhallen an der Dornbirner Stra\u00dfe. Automobilfirmen wie VW oder Daimler lie\u00dfen viele Jahre ihre K\u00fchler, Sto\u00dfstangen und andere Teile ihrer Fahrzeuge in dem Werk verchromen. Auch der Motorradhersteller Horex geh\u00f6rte zu den Kunden.<\/p>\n<p>Die Br\u00fcder Emil und Georg Schoch hatten die Firma 1925 als so genannte Galvanisierungsanstalt gegr\u00fcndet. Das Unternehmen war fr\u00fcher einmal eines der f\u00fchrenden Metallveredelungswerke in ganz Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Emil Schoch \u2013 sein Bruder wurde bei einem Fliegerangriff get\u00f6tet \u2013 die von Fliegerbomben zerst\u00f6rten Gescho-Werke wieder auf und erweiterte sie. Am 2. Juli 1949 wurde in der damals nagelneuen Schoch-Kantine ein gro\u00dfes Er\u00f6ffnungsfest gefeiert. \u201eDie Wandbilder in der Kantine der ehemaligen Schoch-Fabrik sind ein Zeugnis der unmittelbaren Nachkriegszeit Feuerbachs\u201c, findet Elke Thieme, die Vorsitzende des Anfang des Jahres konstituierten Vereins zur Rettung der Wandbilder.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Vereinsmitglieder wollen Wandbilder retten<\/h2>\n<p>Das Ziel der Mitglieder ist, die Wandbilder vor dem Abrissbagger zu retten und sie an einem anderen Ort einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen. Auf dem kleineren Gem\u00e4lde ist die Feuerbacher Wette am M\u00fchlwasen (Ecke heutige M\u00fchl-\/Dieterlestra\u00dfe) zu sehen. Die Wette war fr\u00fcher ein Feuerl\u00f6schteich. Er wurde auch als Viehtr\u00e4nke benutzt. Auf dem anderen Gem\u00e4lde ist eine Pferdekutsche zu erkennen. Auf dem Kutschbock sitzt ein Mann mit Postillion-H\u00fctchen, der ins Horn bl\u00e4st. Ihm zu F\u00fc\u00dfen im Tal liegt das historische Feuerbach mit der alten Stadtkirche. \u201eBeide Bilder vermitteln einen Eindruck von Feuerbach in der vorindustriellen Zeit\u201c, sagt Roland Saur von der Initiative.<\/p>\n<p>Die Werke waren im Jahr 1949 von dem Maler Hans Bechstein an die W\u00e4nde der Firmenkantine angebracht worden, genauso wie zwei Sinnspr\u00fcche. Der Verein hat bereits mehrere tausend Euro an Spenden gesammelt, doch es werden weitere Sponsoren gesucht. Erste Ideen, wo die Bilder in Zukunft einen passenden Platz finden k\u00f6nnten, gibt es bereits. \u201eWir sind mit Rolf Zielfleisch, dem Vorsitzenden des Vereins Schutzbauten, aber auch mit dem IW8 Stuttgart an der Siemensstra\u00dfe in Kontakt\u201c, sagt Saur. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des ehemaligen Behr Werks 8 haben in Aussicht gestellt, Wandbilder im neuen Kreativzentrum anzubringen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wandbilder-auf-dem-schoch-gelaende-mit-knochenleim-und-ochsengalle.7f9dede3-d005-4e28-acde-f5a6fb787a21.html\">https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wandbilder-auf-dem-schoch-gelaende-mit-knochenleim-und-ochsengalle.7f9dede3-d005-4e28-acde-f5a6fb787a21.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel in Stuttgarter Zeitung\/Nachrichten \u2192Nordrundschau vom 09.12.2014 Wandbilder auf dem Schoch-Gel\u00e4nde Mit Knochenleim und Ochsengalle Von Georg Friedel\u00a009. Dezember 2014 \u2013 08:00 Uhr Der Verein zur Rettung der Wandbilder auf dem Schoch-Areal hat mehrere T\u00fcbinger Restauratoren damit beauftragt, die Gem\u00e4lde in dem abrissbereiten Firmengeb\u00e4ude abzul\u00f6sen und andernorts wieder anzubringen. 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